HbA1c kennt fast jede:r mit Typ-1-Diabetes. Viele wissen auch: Aus dem Durchschnitt der CGM-Werte lässt sich dieser Wert recht gut abschätzen. Das heißt dann eHbA1c oder GMI Wie genau GMI und der „echte“ HbA1c zusammenhängen, haben wir hier erläutert. Aber ist HbA1c wirklich die beste Kennzahl, um den Stoffwechsel zu beurteilen? In den letzten Jahren rückt eine andere Größe immer stärker in den Fokus: Time-in-Range.
Was Time-in-Range sichtbar macht
Time-in-Range (TiR) meint den Anteil der Zeit, in dem die Glukosewerte im Zielbereich liegen – meist zwischen 70 und 180 mg/dl. Anders als HbA1c zeigt TiR nicht nur den Durchschnitt, sondern die Verteilung: Wie oft war ich im Ziel? Wie oft darüber oder darunter?
Das hat einige Vorteile:
- Differenzierung: Ein guter HbA1c kann durch viele Hypos erkauft sein. TiR deckt das auf.
- Trendbeobachtung: TiR lässt sich für verschiedene Zeiträume anzeigen, Veränderungen werden schnell sichtbar.
- Selbstkontrolle: Die Werte sind jederzeit und aktuell in der App sichtbar – ohne Laborbesuch.
- Alltagsbezug: Kleine Veränderungen in Therapie oder Gewohnheiten lassen sich direkt nachvollziehen.
Studien zeigen: HbA1c und Time-in-Range hängen auch in der Realität direkt zusammen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften wie ADA oder EASD mittlerweile TiR als zusätzliche Leitgröße.
Warum HbA1c so lange als Goldstandard galt
HbA1c ist einfach, greifbar, gut vergleichbar. Seit Jahrzehnten wird er zur Beurteilung der Glukoseeinstellung genutzt. Auch heute noch steht er bei jedem Arzttermin im Mittelpunkt. Studienergebnisse, Zielwerte, Laborberichte – alles dreht sich oft um diese eine Zahl. Der große Vorteil: Sie ist robust, zeigt den Durchschnitt der letzten 8–12 Wochen und lässt sich im Labor bestimmen. Auch CGM-Systeme liefern mit dem GMI eine gute Annäherung.
Bei Typ-2 werden CGM-Systeme noch gar nicht standardmäßig eingesetzt, dort ist dann der HbA1c-Wert ohnehin die einzige, verfügbare Größe.
Und ganz ehrlich: Ich schaue immer zuerst auf den GMI. Ich weiß hier nicht nur, was gut oder was hoch ist, sondern auch, was das bedeutet. Wo steht die Person gerade gefühlsmäßig? Bei einem HbA1c von 6,1% weiß ich: die Person ist gut hinterher und interessiert sich vielleicht auch für Feinheiten ihrer Umrechnungsfaktoren. Oder bei 9,5 %: wahrscheinlich kämpft die Person hier grundsätzlich mit dem Diabetes-Management. Da sind motivierende Worte wichtiger als genaue Zahlen. Diese Gefühle kann ich zumindest bisher nicht mit Time-in-Range Werten verknüpfen.
Warum es oft sinnvoll ist, beides zu betrachten
HbA1c und TiR zeigen unterschiedliche Dinge: Der eine den Durchschnitt, der andere die Verteilung. Erst zusammen ergeben sie ein umfassendes Bild. Ein paar Beispiele:
- HbA1c gut, TiR schlecht? Dann liegen vielleicht viele Werte unter dem Zielbereich – Risiko für Hypos.
- HbA1c schlecht, TiR verbessert? Dann ist man auf einem guten Weg, auch wenn sich der Durchschnitt noch nicht verändert hat.
Gerade für Menschen mit Typ-1 ist TiR oft aussagekräftiger – aber der HbA1c bleibt eine praktische Zahl, vor allem für den langfristigen Vergleich.
TiR, TBR, TAR & Co. – was heißt das eigentlich?
Zum Schluss ein kurzer Überblick der Definitionen für alle, die es genau wissen wollen:
- TiR (Time-in-Range): Zielbereich, meist 70–180 mg/dl
- TBR (Time Below Range): Unterzuckerungsbereich, unter 70 mg/dl
- TBR <54 mg/dl: Schwere Hypoglykämie
- TAR (Time Above Range): Werte über 180 mg/dl
- TAR >250 mg/dl: Sehr hohe Werte
- TiTR (Tight Range): Enger Zielbereich, z. B. 70–140 mg/dl (z. B. in der Schwangerschaft, aber auch als Hinweis auf den Nüchternzucker)
Dieses Bild zeigt nochmal angepasste Zielbereiche für unterschiedliche Gruppen:

Und was ist mit anderen Kennzahlen?
Es gibt noch weitere Kennzahlen: Glukose-Variabilität und Standardabweichung, die wir in einem anderen Artikel genauer erklären, Zeit bis Zielbereich erreicht wird usw. Auch spannend! Aber die schauen wir uns in einem anderen Artikel an.
Fazit
HbA1c bleibt wertvoll, besonders für die langfristige Beurteilung. Aber wer mehr wissen will – und mehr Einfluss auf seine Werte nehmen möchte – sollte Time-in-Range mitdenken.