Der HbA1c ist eine der wichtigsten Zahlen, nach denen Ziele bei der Diabetestherapie festgelegt werden. Normalerweise erhält man einmal im Quartal seinen Wert, und jedesmal ist dies eine kleine Überraschung. Jedoch lässt sich der HbA1c aus den Daten der CGM-Geräte ganz gut schätzen.

Wie hängt der HbA1c mit dem Blutzucker zusammen?

Rote Blutkörperchen enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin. An diesen Farbstoff kann Zucker aus dem Blut, Blutglukose, andocken. Der HbA1c beschreibt den Anteil des Farbstoffs, bei dem das passiert ist. Deswegen hat der HbA1c die Einheit %. Hat man nun im Durchschnitt mehr Blutglukose, dann verbindet sich auch mehr Blutfarbstoff damit. Meine Ärztin sagte mal, die Blutkörperchen verkleben. Die mittlere Lebensdauer der Blutkörperchen beträgt acht bis zwölf Wochen. Daher wird der HbA1c auch oft als Langzeit-Blutzuckerwert bezeichnet, d.h. dem Blutzuckerniveau der letzten zwei bis drei Monate.

Abschätzung des HbA1c mit dem mittleren Glukosewert

Mit Formeln kann man auf Basis des Blutzucker-Mittelwerts den HbA1c abschätzen. Im Laufe der letzten Jahre wurden immer genauere Näherungsformeln gefunden. Daher darf man sich nicht wundern, wenn unterschiedliche Berechnungsformeln genannt werden. Da es bei Patienten und Ärzten des Öfteren Verwirrung gab, wenn Schätzwert und Laborwert von einander abgewichen sind, wurde der Begriff „geschätzter HbA1c“ inzwischen durch „GMI“ (glucose management index) ersetzt, und dabei die Formel noch einmal genauer gemacht.

(Quelle zur verwendeten Formel: Bergenstal et al., diabetesjournal.org)

Abweichungen zwischen HbA1c und GMI

Häufig weichen der berechnete GMI und im Labor gemessenem HbA1c von einander ab. Die Abweichung ist individuell und ändert sich wohl wenig über die Zeit. Statistisch ist die Abweichung bei sehr niedrigen und sehr hohen HbA1c (> 7,5 %) ausgeprägter.

Gründe für die Abweichung gibt es verschiedene. Zunächst gibt es ein paar methodische bzw. technische. Es unterscheiden sich der Zuckerwert im Blut, der den HbA1c direkt beeinflusst, und der Zuckerwert in der Gewebeflüssigkeit, wo die CGM-Sensoren messen. Unterschiede zwischen verschiedenen Geräteherstellern scheinen dabei keine große Rolle zu spielen. Außerdem unterscheiden sich die Ergebnisse der Bestimmung des HbA1c im Labor je nach verwendeter Methode und Gerät. Im Durchschnitt um 0,6%-Punkte. Das heißt, der mit dem CGM berechnete GMI kann von dem gemessenen HbA1c in einem Labor abweichen, mit dem in einem anderen Labor gemessenen aber übereinstimmen.

Medizinisch und physiologisch ist es so, dass HbA1c und mittlere Glukose doch nicht 100%ig streng voneinander abhängen. Der HbA1c unter- oder überschätzt also den mittleren Glukosewert. Bei manchen Leuten sogar stark. Konkret heißt das: Es gibt z.B. Leute, die haben einen hohen HbA1c im Verhältnis zu ihren Blutzuckerwerten. Wenn man hier nun die Ziele an den HbA1c niedrig setzt, laufen diese Gefahr, dass die Blutzuckerwerte zu niedrig werden, d.h. sie in viele Hypoglykämien rutschen. Warum und wann genau dies der Fall ist, ist noch nicht ganz geklärt. Es gibt Erkrankungen, die die Lebensdauer der roten Blutkörperchen verändern bzw. die Erzeugung des Blutfarbstoffs. Das beeinflusst natürlich die Aussagekraft des HbA1c. Möglicherweise spielt auch die Glukosevariabilität eine Rolle.

Diagram mit der Verteilung des Zusammenhangs HbA1c und Blutzucker
Jeder Punkt steht für einen Patienten. Man sieht, der Zusammenhang zwischen GMI und echtem HbA1c ist nicht für alle Patienten gleich. (Quelle: Dr. Paul Fellinger, Uni Wien)

Wo steht der HbA1c bzw. GMI im CGM-Report?

In den CGM-Reports ist der GMI immer enthalten, ist aber nicht immer leicht zu finden. Hier ein Wegweiser für die CGMs der verschiedenen Hersteller.

DexcomUnter Berichte in der Übersicht gleich oben links
MedtronicReport „Dashboard“ und dann oben rechts im Kasten „Statistik“
Freestyle Libre 2Libre Link auf dem Handy: Oben Links im Hamburger Menü (drei waagrechte Striche), dann unter „Berichte“ das sechste von oben
Libre View am PC: Oben Links auf das Symbol für Glukoseverlaufsdaten, dann „Berichte“ und dort dann unter dem ersten Punkt „AGP-Bericht“

FAZIT

Mithilfe des mittleren Glukosewerts, den das CGM misst, lässt sich der HbA1c abschätzen. Dieser abgeschätzte HbA1c heißt GMI. Weichen GMI und HbA1c stark voneinander ab, sollten Ziele für den HbA1c in der Therapie individualisiert formuliert werden. Der GMI eine hilfreiche Größe, um auch schon zwischen den Quartalsbesuchen die Entwicklung der Therapie einzuschätzen.

Weitere Infos

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6196826/ – Veröffentlichung, in der der GMI sozusagen erfunden wurde, inklusive Formeln, aber auch Erklärungen, warum der Begriff so gewählt wurde.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5521971/ – Studie zu Abweichung zwischen HbA1c und Schätzung anhand der Blutglukose

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30728221/ – weitere Studie zur Abweichung zwischen HbA1c und Schätzung anhand des Blutzuckers

https://www.doctors.today/verordnung-diabetes/a/auf-hba-c-setzen-1563284 – Informationen zur Messgenauigkeit des HbA1c im Labor

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