Blutzucker Kurven scheinen manchmal unlogisch. Das passiert, wenn Stoffwechsel-Effekte hineinspielen, die man nicht „sehen“ kann, hineinspielen. So zum Beispiel wiederholte Hypoglykämien.

Normalerweise steigt nach dem Essen erstmal der Blutzucker. Bei wiederholten, intensiven Hypoglykämien scheinen aber die Kohlenhydrate zu „verpuffen“. Dadurch verläuft die Blutzuckerkurve erst einmal schön niedrig und ohne große Auslenkungen. Sie sieht dann fast schon gesund, also normal aus. Das nennt man dann „pseudo-normalisiert“, „schein-normalisiert“. Das ist aber weniger gut, als es klingt.

häufige Hypoglykämien in CGM-Daten
Mehr als zweimal innerhalb von zwei Tagen länger anhaltende Hypos verändern die Stoffwechselsituation grundlegend

Notfallsystem Leber

Wieso also nur „Schein“? Denn in Wirklichkeit ist die Situation überhaupt nicht normal. Normal ist es, dass die Leber ausreichend Zucker als Notreserve eingespeichert hat, und im Falle eine Hypo diesen abgibt. Dadurch kann es bei einer starken Hypo nach dem Low zu einem starken High kommen, das nicht durch die schnellen KHs zu erklären ist. Das ist die sogenannte „Gegenregulation“. Diese kann aber ausbleiben aus unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel bei Neuropathien, Gewöhnung, viel Alkohol oder eben wenn der Speicher leer ist. Und die Speicher sind leer, wenn man so häufig Hypos hat, sodass sie nicht rechtzeitig wieder aufgefüllt werden. Und das ist dann gefährlich. Denn bei einer schweren Hypo greift die Zucker-Notversorgung der Leber nicht mehr, und das Risiko, dass Fremdhilfe benötigt, steigt.

Das erklärt also, wieso größere Auslenkungen nach Hypos fehlen. Auslenkungen nach dem Essen tauchen aber ebenfalls weniger stark auf. Das liegt daran, dass die KHs in die Leber umgeleitet werden, um die Speicher aufzufüllen. Dann tauchen sie nicht im Blut auf. Dann passt natürlich auch die normale Insulinberechnung nicht mehr.

Gegenregulation: Abgabe von Glucagon der Leber bei Hypoglykämien
Bei Hypoglykämien leert die Leber ihre Zuckerspeicher

Wann sind Hypos häufig?

„Häufig“ heißt hier: mehr als zweimal pro zwei Tage unter 70mg/dl für über 30 min. Aber das ist natürlich nur eine Daumenregel. Denn eigentlich gibt es drei Dinge, die beeinflussen, wie stark man mit Hypos zu tun hat: die Anzal, die Dauer und wie niedrig die BZ-Level sinken (man spricht hier von AUC, die Fläche unterhalb der Kurve). Es gibt bisher keine verwendbaren Informationen, woraus man als Patient genauer abschätzen kann, wie hoch das persönliche Risiko für einen Ausfall der Gegenregulation ist. Toll wäre natürlich eine Bewertung und Warnung direkt im CGM-System.

Fazit

Hat man häufiger und längere Hypos, zum Beispiel auch in der Nacht, kann dies besonders gefährlich sein. Außerdem kommt die gesamte Insulintherapie durcheinander. Blutzuckerverläufe werden unlogisch. Da sollte man mit seinem Arzt besprechen, ob eine Therapieanpassung notwendig ist.

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