Insulin mag es gemütlich, nicht zu warm und nicht zu kalt. Sonst verliert es seine Wirksamkeit. Normalerweise ist das kein Problem, aber im Urlaub kann es dann doch mal tricky werden. Hier ein paar persönliche, für mich damals überraschende Erfahrungen und ein paar Tipps.

Wärme und Hitze

Insulin in Gebrauch kann bis zu 28 Tagen bei Normaltemperatur verwendet werden, das heißt bei unter 40°C. Schwierig kann es im Sommer werden, denn in der Sonne ist es meistens wesentlich wärmer als im Schatten, ebenso im Auto. Um wieviel hängt stark von den Umständen ab, man sagt zwischen 5 bis zu 30°C. So war bei mir vorletztes Jahr im Urlaub in Südfrankreich die Überraschung groß, als ich erkennen musste, dass mein Insulin unwirksam geworden war. Es hatte einige Tage gedauert, bis ich verstanden hatte was los war. Denn bei 35°C im Schatten, mit einer schwarze Insulinpumpe am Gürtel wurden offenbar doch täglich die 40°C geknackt. Meine Lösung war schließlich, das Reservoir nur mit dem Tagesbedarf zu füllen und nach Mittag, etwa 17 h zu wechseln.

Als weiterer Tipp für Pumpenträger gilt, lieber kürzere Schläuche zu verwenden und darauf zu achten, diese unter der Kleidung zu behalten.

Pen-Nutzer sind hier in einer komfortableren Situation. Es gibt praktische FRIO-Packs. Diese Packs legt man in Wasser ein, womit sie sich vollsaugen. Dann kühlen diese über Verdunstung die darin befindlichen Pens. (Man darf die Packs also schon luftig aufbewahren, damit auch etwas verdunsten kann.) Vor einigen Jahren habe ich mit diesen Packs erfolgreich eine Wüstenwanderung in der Negev bestritten, ohne irgendwelche Probleme.

Für die Lagerung von Insulin bei Hitze gibt es praktische Hilfsmittel: FRIO-Pack, Kühltasche, Kühlpack
Mit FRIO-Kühlbeutel, Kühltasche und Kühlpad lässt sich Insulin auch in heißen Regionen unbeschadet transportieren. Kommt das Kühlpad aus dem Tiefkühler, habe ich Handtücher verwendet, damit das Insulin nicht zu kalt wird.

Kälte

Insulin sollte kalt im Kühlschrank gelagert werden, das heißt bei 2-8°C. Gerade über Nacht, wenn der Kühlschrank nicht geöffnet wird, kann es je nach Einstellung passieren, dass die Temperatur darunter fällt, ohne dass man es mitbekommt. Jedoch gibt es Thermometer, die den Temperaturverlauf aufzeichnen und auf dem Handy sichtbar machen. Offenbar lagern fast 80 % aller insulinpflichtigen Diabetes-Patienten ihr Insulin zu warm oder zu kalt [1]. Verliert das Insulin schleichend über Wochen hinweg seine Wirksamkeit, lohnt sich vielleicht auch in diese Richtung nachzuforschen. Das von mir verwendete Thermometer bei Amazon. Die Temperatur hängt auch von der Lage im Kühlschrank ab, der wärmste Ort ist oben in der Kühlschranktür.

Thermometer zeigt: Insulin wurde bei 12,2 °C zu warm gelagert
Zu warme Lagerung führte zum Verlust der Wirksamkeit noch vor Ablaufdatum

Übrigens sollte Insulin aus dem Kühlschrank vor der Verwendung auf Zimmertemperatur erwärmt werden. Denn beim Erwärmen bilden sich kleine Gasbläschen, die man nicht in Pen (vor allem für Langzeitinsulin) oder Pumpe haben möchte. Eine Studie hat den Effekt untersucht, teilweise entsprachen die Bläschen einem Ausfall der Basalrate von mehr als einer Stunde.

Auch wenn der Winter gerade vorbei ist, der nächste kommt bestimmt. Denn auch so kann eine nur relative kurze Zeit ausreichen, das Insulin wirkungslos zu machen. In meinem Fall war es eine Fahrradstrecke von etwa 1 h bei Schneeregen, also etwa um die 0 Grad, bei der meine Pumpe am Gürtel direkt an der Luft war.

Ebenfalls nicht beliebig temperaturtolerant sind CGM-Geräte. Bereits ab etwas 10°C setzen diese ihren Dienst aus, wobei auch bei kalten Temperaturen natürlich an der Haut in warmen Klamotten diese normalerweise nicht erreicht werden. Aber wieder ebenfalls im Urlaub, diesmal bei einer Bergwanderung mit großartiger Aussicht, aber heftigem Wind, war dies bei mir der Fall. Natürlich ziemlich der ungünstigste Augenblick, um ohne CGM dazustehen. Auch aus solchen Gründen habe ich bei solchen Aktivitäten immer noch mein Gerät mit Teststreifen dabei.

Bei Kälte schalten sich CGM-Sensoren aus
Ganz kann man leider der Werbung (oben links) nicht trauen, denn zumindest mich hat der FSL2 im Gebirge wegen niedriger Temperatur im Stich gelassen.

Fazit

Nicht oft kommt es vor, dass Insulin durch Temperatur kaputt geht. Doch wenn dies passiert, ist es gar nicht so einfach, auf die Ursache des teilweise nur schleichenden Verlust der Wirkung zu auf die Spur kommen. Doch es gibt sowohl gegen Wärme als auch gegen Kälte Hilfsmittel, um die Lagerung im Griff zu behalten.

Weiterführende Links

[1] https://www.universimed.com/at/article/diabetologie-endokrinologie/insulintherapie-dem-kuehlschrank-misstrauen-2109572

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.